20 Jahre Alevitischer Kulturverein in Ratingen

Zu Gast bei der Feier Alevitischer Kulturverein Ratingen am 02.03.2014

Zu Gast bei der Feier Alevitischer Kulturverein Ratingen am 02.03.2014

Am 02.03.2014 feierten die Ratinger Aleviten das zwanzigjährige Bestehen ihres Kulturvereins.
„Das Ganze war eine riesen Fête.“ sagt Ortsverbandsvorsitzende Mareike Wingerath begeistert, die zusammen mit den Ratsmitgliedern Susanne Stocks und Elizabeth Yeboah mit den Aleviten feierte. „Unser Bürgermeisterkandidat, Klaus Konrad Pesch, ist auch noch eingetroffen, hielt ein kurzes Statement und tanzte dann kräftig mit. Die Leute waren schwer begeistert.“ Die Resonanz kam durchweg positiv: „Ein Bürgermeister zum Anfassen!“
Mareike Wingerath dazu: „Wat ein Glück, wir haben Pesch.“

Eingeladen vom Alevitischen Kulturverein hielt die Grüne Ortsverbandsvorsitzende Mareike Wingerath eine für sie ganz typische vor allem humorvolle Rede mit Wahlaufruf zur Kommunalwahl:

Liebe Gastgeber vom Alevitischen Kulturverein,
meine Damen und Herren,
liebe Ratingerinnen und Ratinger,
liebe Gäste aus den umliegenden Städten,

 Ich freue mich sehr über die Einladung zu diesem Fest aus Anlass des 20 jährigen Bestehens des Alevitischen Kulturvereins und begrüße das Ziel der Begegnung aller Kulturen, die in Ratingen eine Heimat gefunden haben.

Ich selbst bin eine Ratingerin mit Migrationshintergrund. Ich bin geboren in Hamburg und meine Eltern und Großeltern haben einen Deutsch-Dänischen Hintergrund. Nach über 60 Jahren in Ratingen, ist es mir immer noch nicht gelungen, perfektes Hochdeutsch zu sprechen, obwohl ich in Ratingen bereits in den Kindergarten gegangen bin.
Das scharfe St und Sp ist mir geblieben. Da hat kein Intergationskurs genützt.

Es  wird ja  immer wieder betont, dass der Erwerb der Deutschen Sprache den Schlüssel zur Integration darstellt. Da ist natürlich was dran, wie auch folgender Witz demonstriert:

Sagt ein Deutsch Deutscher zu einem Türkisch Deutschen auf dem Berliner Platz:
Eh samma, wo  geht’s  Aldi?
Sagt der Türkisch Deutsche:
Z U Aldi, Mann, Z U Aldi.“
Sagt der Deutsch Deutsche:
Eh scheiße Mann, schon nach 20.00 Uhr?“

Das zeigt eindrücklich, dass ein weiterer Baustein für ein erfolgreiches Leben Bildung ist, Bildung und nochmal Bildung für alle Bevölkerungskreise.

Bürgermeisterkandidat Klaus Pesch schwingt das Tanzbein beim Alevitischen Kulturverein Ratingen

Bürgermeisterkandidat Klaus Pesch schwingt das Tanzbein beim Alevitischen Kulturverein Ratingen

Viele Von Ihnen beziehungsweise von Euch kenne ich noch aus meiner Zeit als Lehrerin an der Martin-Luther-King- Gesamtschule in Ratingen West.
Wer in Ratingen aufmerksam die Zeitung liest, kann jedes Jahr im Frühsommer die  Abiturjahrgänge der Ratinger weiterführenden Schulen ansehen.  Wir waren sehr stolz darauf, wenn von Jahr zu Jahr die Anzahl der Abiturientinnen und Abiturienten mit Migrationshintergrund deutlich anstieg.

Sofern die Abiturienten von zu Hause aus noch die Muttersprache ihrer Eltern in Wort und Schrift beherrschten, hatten sie noch einen Vorsprung im Verhältnis zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, nämlich,  eine weitere Fremdsprache und ein multikulturelles Verständnis, das in einer globalisierten Welt eine wichtige Qualifikation darstellt.

Die zugewanderten Ratingerinnen und Ratinger sind heute eine feste Größe in allen Schichten der Gesellschaft. Es gibt Handwerksbetriebe, Ärztinnen und Ärzte, Bankkaufleute, Professorinnen, Krankenschwestern, Manager, Geschäftsfrauen kurz, es gibt einfach alles.

Aber das Land NRW sucht immer noch nach Lehrerinnen und Lehrern  und Polizistinnen und Polizisten  mit Migrationshintergrund. 

Der Anteil der Frauen an der Erwerbsbevölkerung ist niedriger, als in anderen Gruppen. Da gibt es noch viel zu tun, weil der Zugang zu einem eigenen Einkommen und der Erwerb eines eigenen Rentenanspruches bei insgesamt sinkenden Renten von ungeheurer Bedeutung ist, um nicht in Altersarmut zu enden.
Wie wir bei unserem Besuch bei den Frauen im Alevitischen Zentrum gehört haben, gibt es ein großes Bedürfnis, sich über Möglichkeiten des Wiedereinstieges in die Erwerbsarbeit auszutauschen. Das ist übrigens ein Thema, was nicht nur die Alevitischen Frauen betrifft, sondern Frauen aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Wir werden den Gesprächsfaden im April wieder aufnehmen und versuchen alle Informationen dazu zusammen zu tragen.

Eine weitere Baustelle, an der wir alle gemeinsam arbeiten müssen, ist die Erhöhung des Anteils von Zuwandererkindern  mit qualifiziertem Schulabschluss und mit einer anschließenden Ausbildung.

Wenn man bedenkt, dass im Jahre 2050 wahrscheinlich jeder zweite Deutsche ein Deutscher mit Migrationshintergrund sein wird, kann man sich vorstellen, wie Überlebensnotwendig die Höherqualifizierung aller Einwohner sein wird. Die sogenannten einfachen Tätigkeiten nehmen ab. Ohne gute Ausbildung wird es demnächst kaum Arbeitsplätze geben. Hier Zeit und Kraft und Geld zu investieren ist also keine moralische Nettigkeit, sondern in unser aller Interesse.

Hier müssen wir gemeinsame Netzwerke schaffen, Ideen entwickeln und zu Taten schreiten. In Ratingen gibt es gute Ansätze und unter den Migranten viele erfolgreiche Vorbilder, die helfen können, die Bildungsmotivation der Ratinger  Kinder und Jugendlichen zu erhöhen und die Eltern und Lehrer zu unterstützen.

In den Unternehmen, die von Zuwanderern gegründet wurden, und das sind enorm viele, gibt es aber unterdurchschnittlich wenige Ausbildungsplätze. Es gibt ein Programm der Bundesregierung, das Unternehmerinnen und Unternehmer dabei unterstützt, Ausbildungsplätze zu schaffen.                                                            

Es gibt viel zu tun, viel zu verbessern, viel zu erreichen.

Ganz gleich, wo wir hier alle mal hergekommen sind, was wir gemeinsam haben, wir sind alle Ratingerinnen und Ratinger. Dies ist unsere Kommune, unser Gemeinwesen und hier sollten wir uns unbedingt einmischen.

Es ist wichtig für unsere Stadt und für unsere Gesellschaft, dass sich in den Parteien, Verbänden, Organisationen und im Rat der Stadtdie Gesellschaft abbildet und auch dort der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund dem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

Mischen Sie sich ein, in welcher Partei und Organisation auch immer.

Wenn die Wahlanalytiker feststellen, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe gar nicht oder nur sehr selten zu Wahlen geht, werden die Bedürfnisse dieser Gruppe auch weniger beachtet.Ganz einfach, vor einer Wählergruppe, die gar nicht wählt, braucht sich keine Partei zu fürchten. Auf die muss keiner Rücksicht nehmen. Wenn bestimmte Gruppen der Bevölkerung gar nicht in den Parteien vertreten sind, weiß man auch nicht viel über sie.Es ist wichtig, mit zu mischen, Interessen zu vertreten, für Anliegen zu kämpfen und das kann dann auch sehr erfolgreich sein.

Unser langjähriger Parteivorsitzender bei den Grünen heißt Cem Özdemir, der Stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung von Hessen ist ein Grüner und heißt Tarek al Wazir.
Ja, geht doch!

Am 25.05. 2014 haben hier alle die Möglichkeit zur Wahl zu gehen.
Alle mit einem  Pass aus einem EU Land zur Europawahl, alle mit einem deutschen Pass zur Kommunalwahl und zur Bürgermeisterwahl, alle  ohne deutschen Pass zur Wahl des Integrationsrates.
Überzeugen sie Freunde, Bekannte und Verwandte.
Versuchen Sie dafür zu sorgen, dass bei dieser Wahl die Beteiligung der Ratinger Bürger mit Migrationshintergrund ungeahnte Höhen erreicht, dass man in den Zeitungen im Rundfunk und im Fernsehen von dem Aufbruch der Zuwanderer aus Ratingen in die Politik berichtet.

Stellen Sie sich die Schlagzeile vor: „ Ratinger Zuwanderer aus aller Herren Länder gehen massenhaft zur Wahl!“

Lassen sie uns gemeinsam einen Weg in die Zukunft finden, in der alle die gleichen Chancen haben und vor allem, alle gute Chancen haben und in der alle Zugewanderten, wie ich aus Hamburg, mein Freund aus Sachsen, Freunde aus Frankreich, aus Griechenland, der Türkei, dem Balkan, aus Afrika und woher auch immer, selbst ein zugewanderter Bayer ließe sich integrieren, wenn er denn Deutsch lernt, sich zufrieden als Ratinger fühlen und genau wie heute miteinander feiern.

„Gehsse Wahl eh? Z U R Wahl, aber selbstverständlich.“

Vielen Dank!

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