Skandal um neue Landwirtschaftsministerin NRW

Unsägliche Bedingungen in einem Schweinestall, an dem die Politikerin beteiligt war

taz | 14.7.2017
Nach gerade mal zwei Wochen im Amt steht Nordrhein-Westfalens neue Landwirtschaftsministerin
Christina Schulze Föcking (CDU) wegen nicht artgerechter Tierhaltung unter Druck. Schwer
erträgliche Bilder, die Tierrechtsaktivisten im Frühjahr in Schulze Föckings heimischem Schweinemastbetrieb gefilmt haben, zeigen schwer verletzte Lebewesen: Schweine mit angefressenen Ringelschwänzen, bei denen das Gewebe entzündet und teilweise schon nekrotisch – also abgestorben – ist.
Andere Schweine humpeln mit entzündeten Gelenken. Außerdem dokumentieren die Filmaufnahmen, die Stern TV am Mittwochabend veröffentlicht hat, fehlendes Wasser und zu hohe Ammoniak-Konzentrationen in der Stallluft, die die Lungen der Schweine verätzen können. Grund dafür dürfte mangelnde Stallhygiene gewesen sein: Zu sehen ist, dass der Spaltenboden des Massentierhaltungsbetriebs derartig mit Exkrementen verstopft war, dass der Kot der Tiere nicht mehr abfließen konnte.
Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking, die seit dem 30. Juni nicht mehr Mitinhaberin des Mastbetriebs in Steinfurt bei Münster ist, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Stattdessen verwies ihr NRW-Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft auf eine Stellungnahme des Ehemanns der Christdemokratin, Frank Schulze Föcking: Grundsätzlich fühle sich „der Betrieb aus tiefer Überzeugung dem Wohl der Tiere verpflichtet“. Für einen „kurzen Zeitraum des ersten Halbjahres 2017“ räumt der Landwirt allerdings „außergewöhnliche
Krankheitsverläufe“ ein. Von 940 Schweinen „wurden insgesamt 31 Tiere bis zum 3. 7. 2017 notgetötet oder sind verendet“, schreibt er.
Die Ministerin müsse jetzt klarmachen, ob sie sich wirklich dem Tierwohl oder doch eher der
Profitmaximierung verpflichtet sehe, fordert deshalb der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion,
Christian Dahm.
Die Grünen halten die staatlich geprüfte Landwirtin bereits für eine glatte Fehlbesetzung:
„Als Landwirtschaftsministerin kann Frau Schulze Föcking nicht mehr glaubwürdig auftreten, als
Tierschutzministerin ist sie völlig fehl am Platz“, sagt Landtagsfraktionschef Arndt Klocke.
Dabei ist das Tierleid auf dem Hof Schulze Föcking kein Einzelfall. „Krass“ sei zwar die Menge
der verletzten Tiere, sagt Christian Adam von der Organisation tierretter.de: „So etwas sieht man nicht oft.“ Der Kannibalismus des gegenseitigen Schwanzbeißens allerdings sei eine direkte Folge
der Massentierhaltung.

Gefordert seien auch die Verbraucher, sagt die Vorsitzende der
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in NRW, Ophelia Nick: „98 Prozent der Schweine in Deutschland werden nicht artgerecht gehalten“.

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