Unterbringungssituation Flüchlinge Am Graetenpoet/Martin-Schule

Die aktuelle fragliche Unterbringungs-Situation von Flüchtlingen in der Martin-Schule möchten die Ratinger Grünen in der kommenden Sitzung des Sozialauschusses am 28.11.2012 geklärt wissen.

Dazu stellen wir folgenden dringlichen Antrag:

Antrag wegen besonderer Dringlichkeit zur Tagesordnung des Sozialauschusses am 28.11.2012 „Unterbringung von Flüchtlingen Am Graetenpoet/Martin-Schule“

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt die Aufnahme des o.g. Tagesordnungspunktes. Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem geplanten Umzugstermin vom 04.12. bis 06.12.2012.

Dem Vernehmen nach sollen u.a. aus neun Familien mit gesamt 15 Erwachsenen, 7 Kindern von drei bis 17 Jahren sowie 8 Kindern von unter drei Jahren bis zum Neugeborenen vier Familien in einem einzigen Klassenraum untergebracht werden.

Diese Unterbringung halten wir für menschenunwürdig und nicht vertretbar. Wir erwarten daher einen Bericht über die geplante Unterbringung.

Zur Vorbereitung des Tagesordnungspunktes bitten wir folgende Fragen seitens der Verwaltung vorab beantworten zu lassen:

– Stimmt der o.g. Sachverhalt?

– Wie ist die gesamte Belegungsplanung für Flüchtlinge in der Martin-Schule angesetzt? Bitte nach Quadratmetern und Gesamtpersonenzahl pro Klassenraum aufschlüsseln.

– Ist geplant die einzelnen Klassenräume mit ausreichend hohen Trennwänden (bis Deckenhöhe) zur Sicherung eines Mindestmaßes an Privatsphäre sowie Mobiliar etc. wohngerecht aus zu statten?

– Welche sanitären Einrichtungen Dusche/Bad/WC stehen in welcher Zahl zur Verfügung?

– Einige der Flüchtlinge haben erhebliche gesundheitliche Probleme, welche Unterbringung ist für diesen Personenkreis geplant.

Mit freundlichen Grüßen

Elizabeth Yeboah, Ratsfrau

Abdul Ghafoor, Ratsherr

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  1. Sabine Schulz

    Zuerst: herzlichen Dank, dass Ihr Euch dieser Sache annehmt und so engagiert Stellung nehmt.
    Wie ihr wisst, besuche ich die Menschen Am Gratenpoet seit fast vier Jahren regelmäßig und kenne die meisten recht gut.

    Die Unruhe und Angst sind riesig.
    Die Bewohner sind bis jetzt auf Gerüchte angewiesen, wissen nicht genau, was mit ihnen sein wird.

    Die aufgeführten Fragen sind genau die Fragen der Flüchtlinge – sie wissen bisher nur, dass sie umgesiedelt werden sollen.

    Es ist jetzt schon schwierig, einigermaßen friedlich in der jetzigen Enge miteinander auszukommen, wo aber doch jeder wenigstens seine eigene, noch so kleine Wohneinheit hat, in die er sich zurückziehen und wo er die Türe schließen kann.

    Kleine Kinder brauchen Platz und nmüssen auch laut sein dürfen – das ist jetzt schon für ältere und kranke Bewohner ein Problem, wie dann erst bei offenen Übergaängen von Wohnabteil zu Wohnabteil.

    Am Gratenpoet wohnen sechs Personen über 60, alle sind krank – Depressionen, schwere Rückenbeschwerden, Nachwirkungen von Verletzungen z.T. noch von der Flucht (Brand- und Stichwunden), ausgeprägte Schlafstörungen mit Albträumen, Migräne und chronische Kopfschmerzen, eine schwere Krebserkrankung, die besondere Hygiene erfordert. In diesem letzten Fall wurde allerdings Hilfe von seiten der Stadt zugesagt. Eine Frau ist im 6. Monat schwanger.
    Mehrere Personen sind gehbehindert – ein Mann hat ein Bein amputiert.

    Trotz Schulpflicht auch für Flüchtlingskinder sind die meisten Schulen mit der Aufnahme neuer Schüler überfordert, auch Kindergartenplätze sind kaum zu bekommen, so dass die Kinder und Jugendlichen, zur Zeit 23, im Alter von noch nicht zwei Wochen bis fast 17, sich irgendwie den Tag vertreiben müssen. Das kann im Winter besonders schwierig werden.

    Zwei Kinder gehen in die Grundschule, eins in den Kindergarten, die müssen rechtzeitig einschlafen können. Das ist schon jetzt ein Problem, wird sich aber bei einer Nachbarschaft ohne wirkliche Abgrenzungsmöglichkeit noch verschlimmern.

    Einige Flüchtlinge Am Gratenpoet sind langzeitgeduldete – sie leben unter diesen primitiven Bedingungen schon bis zu fünf Jahren, sind zermürbt, haben sich aber irgenwie eingerichtet und fürchten die neue Umgebung mit noch weniger Privatsphäre ganz besonders.

    Ich halte es insgesamt für sinnlos und teuer, auf dem Gelände Am Gratenpoet wieder eine einfache, diesmal ber offenbar doppel- oder dreistöckige Unterkunft zu errichten, möglicherweise wieder mit Gemeinschafts-Sanitäreinrichtungen.
    Warum können nicht, wie in anderen Städten (z. B. in Mülheim) richtige Wohnungen zur Verfügung gestellt werden, v.a. für Menschen, deren Wartezeit sich über Jahre hinzieht, die eigentich längst „angekommen“ sind, deren Kinder in die Schule gehen und die sich in Deutschland, so weit man sie eben ließ, integriert haben?

    Diese ganze Umsiedlugnskaktion und die Unterbringung überhaupt (Am Sondert, Mettmanner Straße etc.) sind menschenunwürdig und müssten insgesamt im Rat ganz neu durchdacht und neu konzipiert werden.

    Wir sollten Flüchtlinge nicht als lästige Eindringlinge betrachten sondern vielmehr als Menschen mit ihrem persönlichen Schicksal und ihrer Fluchtgeschichte, die zumindest unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt verdienen und die ein Recht auf anständige Behandlung haben.

    Ich wünsche Euch Glück und Erfolg! Zumindest wird eine Debatte angestoßen, die hoffentlich auch die Öffentlichkeit erreicht.

    Herzliche Grüße,

    Sabine Schulz

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